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Nachdem bereits aus den B4D-M niederflurige Beiwagen entstanden waren, stand als nächstes eine Modernisierung eines T4D zu einem Niederflurtriebwagen an. Als Vorlage hierzu dienten auch sicherlich bereits in den 1980er Jahren von ČKD entsprechend erarbeitete Skizzen und Unterlagen. Das Ziel war vor allem ein Musterfahrzeug als Beispiel dafür, wie man solche Tatrawagen für andere Betriebe behindertengerecht modernisieren könnte. Somit begannen Ende 2002 bei dem bereits abgestellten T4D Nr. 1808 (ex 2017) die Arbeiten, in deren Rahmen durch das Absenken des Fußbodens im Mittelbereich ein Niederflurtriebwagen mit einem Niederfluranteil von ca. 25 Prozent entstand. Das gesamte Erscheinungsbild des Fahrzeugs wurde grundlegend verändert. So wurden nicht nur die Fahrzeugfront und –heck neu gestaltet, sondern auch die Anordnung der Türen und Fenster. Weiterhin erhielt der Fahrgastraum eine im Vergleich zum T4D vollkommen neue Gestaltung sowie die Triebdrehgestelle eine Megi-Achsfederung.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient hier der Fahrerarbeitsplatz, der als Erprobungsträger für den Leoliner genutzt wurde. Der Zugang zur Fahrerkabine erfolgt hierbei nach polnischem Vorbild durch die vordere Türhälfte der Tür 1, während die zweite Hälfte dieser Tür in den Fahrgastraum führt. Dies ist nicht verwunderlich, war doch das Fahrzeug ursprünglich für einen Einsatz in Szczecin bestimmt, wovon der dortige Verkehrsbetrieb nach veränderten Machtverhältnissen im Kommunalparlament aber schnell wieder Abstand nahm.

In einem Dachcontainer war die elektrische Ausrüstung für die Gleichstromfahrmotoren, die in enger Zusammenarbeit mit der Vossloh Kiepe GmbH konzipiert wurden und auch in den Leipziger T4D-M verwendet werden, untergebracht. Zu deren Hauptkomponenten gehören ein luftgekühlter IGBT-Chopper mit Netzrückspeisung und ein statischer Bordnetzumrichter.

Das Fahrzeug, welches die Wagennummer 001 erhielt, gehörte zunächst dem Hersteller LFB (Leipziger Fahrzeugservice Betriebe), einem Tochterunternehmen von Siemens und LVB, und gelangte im Herbst 2003 erstmalig im Rahmen von Probefahrten in das Leipziger Streckennetz. Die Testfahrten zogen sich noch mehrere Monate hin, so dass die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) erst am 6. September 2004 die Zulassung des Wagens für die Personenbeförderung erlaubte. Da aber die LVB-Geschäftsführung eine Personenbeförderung dieses Fahrzeuges verbot und keine Interessenten für das Fahrzeug gewonnen werden konnten, verbarg sich der Wagen 001 meistens in den Werkhallen von HwH. Mit der Gründung der IFTEC GmbH & Co. KG im Jahr 2005, in der die bisherigen Unternehmen LFB und LIB (Leipziger Instandhaltungsbetriebe) zusammengefasst wurden, gehörte dieser Wagen nun der IFTEC.

Erst im Juni 2006 fand man für diesen Triebwagen eine Verwendungsmöglichkeit, bei welcher es sich um Testfahrten mit untersuchten tatrafähigen Beiwagen (in Leipzig sind derzeit die Beiwagentypen B4D-M, NB4 und B4D-NF vorhanden) handelte. Somit erhielt er im Juni 2006 die Arbeitswagennummer 5050 sowie mit einer petrolblauen Farbe verklebte Fensterscheiben. In diesem Erscheinungsbild war dieser modernste Leipziger Arbeitswagen recht regelmäßig im Leipziger Straßenbahnnetz anzutreffen. Außerdem dürfte er nach Jahrzehnten der erste niederflurige Arbeitstriebwagen Deutschlands gewesen sein.

Allerdings sollte er nicht lange als Schlepptriebwagen auf Leipzigs Straßen unterwegs sein, da er von Januar bis September 2009 zu einem Schleifwagen umgebaut wurde. Dabei erhielt sein hinteres Drehgestell einen von den Geraer Verkehrsbetrieben hergestellten Schleifsatz, ebenso wurde bei der Elektroausrüstung der Chopper gegen eine Steuerung TV Progress der tschechischen Firma Cegelec ausgetauscht, die Wagennummer wurde in 5092 geändert. Seit Ende Oktober 2009 ersetzt dieser Triebwagen zusammen mit dem Atw 5091 ex 5062, mit welchem er als Heck-an-Heck-Traktion verkehrt, den 1993 beschafften Schleifwagen 5090.

 

Fahrgastraumblick

Text S. Naumann
Bilder ohne © S. Naumann