Ehemaliger Schienenschleifwagen 5090

Nach der Wende besaß Leipzig mit den kurzen niedlichen Atw 5091 und 5092 aus DDR-Zeiten zwei Schleifwagen, welche aber den neuen Ansprüchen in der Nachwendezeit nicht mehr gewachsen waren. Aus diesem Grund wurde im Jahr 1993 bei der Firma LHB ein Schleifwagen des Typs „Hannover“ gekauft, welcher am 1. September 1993 im Straßenbahnhof Wittenberger Straße eintraf, um die niedlichen kleinen Vorgänger, von denen der Atw 5092 nur 16 Jahre alt war, ersetzen zu können.

Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um einen sechsachsigen zweiteiligen Zweirichtungstriebwagen in der Bauart der bewährten Hannoverschen Stadtbahnfahrzeuge des Typs 6000. Dieses Fahrzeug war der bisher einzige Leipziger Straßenbahnwagen mit einem Jakobsgelenkdrehgestell. Aufgrund seiner Wagenkastenbreite von 2,40 m war der Wagen recht eingeschränkt im Gleisnetz einsetzbar, zahlreiche Begegnungsverbote wurden ausgesprochen.

Dennoch erfüllte der Wagen im Besitz der Unternehmen LVB, LFB, LIB und IFTEC seine Aufgaben, so dass die Wagen 5091 und 5092 abgestellt werden konnten, wobei Atw 5092 als betriebsfähiger und voll einsatzfähiger Museumswagen überleben konnte. Allerdings stellte sich heraus, dass Atw 5090 nicht so richtig einsatzstabil war – immer wieder erzwangen seine Probleme längere Einsatzpausen. Somit kam es, dass auch dieses Fahrzeug wie sein Vorgänger 5092 nur 16 Jahre auf Leipzigs Straßen verkehrte, bis wieder Ersatz gefunden werden konnte. Nachdem die neuen Schleifwagen 5091 und 5092 so weit einsatzstabil zur Verfügung standen, wurde Atw 5090 Ende November 2009 abgestellt sowie nach HwH überführt, wo er einen tiefgreifenden Umbau erhielt. Nun steht er als Schleifwagen dem im Juni 2010 eröffneten Straßenbahnbetrieb im norwegischen Bergen zur Verfügung.

Der Atw 5090 besaß mehrere Besonderheiten: Er war das erste nach Leipzig gelieferte „westliche Fahrzeug“, das einzige wahre nach Leipzig gelieferte, die Stadtbahnkriterien erfüllende „Stadtbahnfahrzeug“ und der letzte Arbeitswagen, welcher mit einer klassischen orangefarbigen Farbgebung auf Leipzigs Straßen unterwegs war.

Text & Bilder S. Naumann