Aktuelle Verhandlungen des TV-N

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Draconia111

Da die Diskussion im gestrigen Thread wegen Schließung nicht fortgeführt werden kann möchte ich hier trotzdem nochmal was korregieren und auch einen Thread als Basis für zukünftige Diskussionen schaffen:

Ich schrieb dass das Angebot der Arbeitgeberverbände unter aller Sau ist. Es kamen nämlich nur Verschlechterungen (Streichung von einem Urlaubstag, Streichung von Zuschlägen und der Killer war 2 Stunden mehr Ackern für weniger Geld).

Das ist das schlechteste TV Angebot dass ich je gesehen habe. Dass heißt aber nicht dass ich die Forderungen der Verdi gut finde. Ich sehe die 35 Stunden Woche sehr kritisch. Und zwar einfach aus dem Grund weil man zwar weniger Arbeitszeit hat, aber die Arbeit nicht weniger wird. Im Endeffekt wird also mehr Arbeit und Leistungsdruck an den einzelnen Beschäftigten hängen bleiben. Ich finde 38 Stunden sind bereits ein absolut angemessener Rahmen wenn man mal in andere Teile dieser Welt schaut was man da ableisten muss. Mag sein dass 35 Stunden bei einigen betrieben funktioniert, bei der LVB in der aktuellen Lage sehe ich das jedoch nicht sinnvoll.

Ja meiner Meinung nach hätte man den TVN aus diesem Grund auch einfach verlängern können, meines Wissens war das sogar von vornherein als Option eingeplant.

Hier knallen einfach gerade 2 überzogene Forderungen aufeinander und es würde mich noch nichtmal wundern wenn am Ende der aktuelle TVN als neu verkauft wird. Und bis dahin lässt man es eben an den Fahrgästen raus...
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https://sat.verdi.de/++file++6972988ed2afd52f3f6a2d0a/download/20260121_Tarifinfo-1VH-TVNSN.pdf
https://www.kavsachsen.de/de/datei/anzeigen/id/6765,7/pm_tarifrunde_zum_tv-n_sachsen_stand_21.01.2026.pdf - hier mal die entsprechenden Berichte zur 1. Runde

Du hast es ziemlich gut geschrieben, allerdings würde ich hier
 
Zitat von: Draconia111 am Dienstag, 03. Februar 2026, 05:06:50Ich schrieb dass das Angebot der Arbeitgeberverbände unter aller Sau ist. Es kamen nämlich nur Verschlechterungen (Streichung von einem Urlaubstag, Streichung von Zuschlägen und der Killer war 2 Stunden mehr Ackern für weniger Geld).
das ganze nicht als Angebot, sondern als  Forderung  (so von beiden Parteien bezeichnet) sehen.  Das Angebot war wohl, so wie ich das Papier des KAV verstehe, den alten TV-N  weiter zu führen.
 
ZitatUnabhängig von den im Positionspapier aufgeführten und dringend erforderlichen Maßnahmen
zur Produktivitätssteigerung hat die Arbeitgeberseite angeboten, den gekündigten TV-N Sachsen
in der bisherigen Form weiterzuführe
- Link oben

dürfte eine ziemlich harte Verhandlungsrunde geben.




74E_Schleußig

Ich finde, man darf auch nicht vergessen, dass in allem eine gewisse Verhandlungsstrategie auch drinsteckt. Da werden eben von beiden Seiten erstmal Maximalforderungen aufgemacht, von denen beide Seiten schon vorher wissen, dass sie nicht erreichbar sind. Aber die müssen das beide so machen, damit man sich am Ende "irgendwo in der Mitte" treffen kann und alle Seiten hinterher sagen können, sie hätten was erreicht.
Hinter den LVB steht auch nur ein angespannter städtischer Haushalt, da kann sich auch der politische Wind schnell gegen das Unternehmen drehen... und wenn das passiert, wird ein Urlaubstag mehr oder weniger nicht mehr die größte Sorge der Beschäftigten sein.

Draconia111

Zitat von: 74E_Schleußig am Dienstag, 03. Februar 2026, 10:56:59Ich finde, man darf auch nicht vergessen, dass in allem eine gewisse Verhandlungsstrategie auch drinsteckt. Da werden eben von beiden Seiten erstmal Maximalforderungen aufgemacht, von denen beide Seiten schon vorher wissen, dass sie nicht erreichbar sind. Aber die müssen das beide so machen, damit man sich am Ende "irgendwo in der Mitte" treffen kann und alle Seiten hinterher sagen können, sie hätten was erreicht.
Hinter den LVB steht auch nur ein angespannter städtischer Haushalt, da kann sich auch der politische Wind schnell gegen das Unternehmen drehen... und wenn das passiert, wird ein Urlaubstag mehr oder weniger nicht mehr die größte Sorge der Beschäftigten sein.

Das ist ja genau das was ich meinte. Man streitet sich jetzt wochenlang Rum nur um am Ende darauf zu kommen dass es ja eigentlich okay ist wie es vorher war
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Eisenbahnfan

Lt. LVZ-Artikel https://www.lvz.de/lokales/leipzig/newsticker-zum-nachlesen-so-lief-der-streik-im-leipziger-nahverkehr-LXOXYCQUCJET5JST7T6MJWJEGM.html sollen lt. LVB Angaben ca. 50 % des Fahrpersonals gestreikt haben.

Ob sich Verdi, wenn die Streikbeteiligung überall so ist wie in Leipzig,  auf einen harten Kampf einließe, wird man sehen, gerade auch weil der letzte Arbeitskampf  2024 aufgrund  einer geringen Streikbereitschaft nicht das gebracht hat, was Verdi sich gewünscht hat.

ZitatErgebnis hat die Tarifkommission lange und intensiv diskutiert. Schlussendlich ist mehrheitlich die
Entscheidung gefallen, die Annahme dieses Verhandlungsstandes zu empfehlen. Die Tarifkommission bleibt
bei ihrer Kritik an der formulierten Gegenbedingung. Gleichzeitig schätzt sie ein, das seine sehr deutliche
Steigerung der Streikbereitschaft notwendig wäre, um die sehr hartnäckige Position der Arbeitgeber
aufzubrechen
https://cms-s3.verdi.de/drupal/public/documents/Tarifinfo%20Sachsen%20-%20dritte%20Verhandlungsrunde.pdf?VersionId=52ed7ee3-c565-42be-85ab-b53617aab245

Auch waren einige Mitglieder wohl damals mti dem Ergebnis zufrieden, auch wenn die Gewerkschaft es kritisch sah.
Zitat. Gleichzeitig haben uns zahlreiche Kolleginnen und Kollegen zurückgemeldet, dass sie mit
dem Ergebnis – mit allen Stärken und Schwächen – grundsätzlich einverstanden sind. Viele Mitglieder haben
eingeschätzt, dass das Verhandlungsergebnis einen Zwischenstand darstellt, auf dem zukünftig weiter
aufgebaut werden
Also, das dürfte spannend werden, wohin die Mitglieder die Gewerkschaft "lenken"...

MD 612

Zitat von: Draconia111 am Dienstag, 03. Februar 2026, 05:06:50Ich sehe die 35 Stunden Woche sehr kritisch. Und zwar einfach aus dem Grund weil man zwar weniger Arbeitszeit hat, aber die Arbeit nicht weniger wird. Im Endeffekt wird also mehr Arbeit und Leistungsdruck an den einzelnen Beschäftigten hängen bleiben.
Ich sehe einen Übergang zur 35-Stundenwoche überhaupt nicht kritisch, gerade auch weil eine solche in anderen Branchen längst üblich ist. Gerade der durchgehende Schichtdienst mit zum Teil unmöglichen Arbeitszeiten mit Schichtanfang oft gegen vier Uhr früh und Schichtende weit nach Mitternacht verlangt einiges von den Fahrern ab. Dazu noch die Tatsache, dass die Schichten oft nicht dort enden, wo sie beginnen. Fängt der Fahrer früh um vier in Heiterblick, Paunsdorf oder Dölitz an, hat er gegen Mittag nach acht oder neun oder gar zehn Stunden am Augustusplatz Feierabend und darf in seiner Freizeit nach Heiterblick, Paunsdorf oder Dölitz fahren, weil dort sein Auto parkt, ohne das er früh nicht auf Arbeit kommt. Im Busbereich ist das noch schlimmer. In meinen Augen unabhängig von dem Arbeitszeitthema ein Unding, dass man in der Freizeit erst ewig lang durch die Stadt gondeln muss, bis man sein Auto wieder findet und damit nach Hause fahren kann. Da hat ver.di meines Erachtens auch noch 'ne Baustelle.

Die Kostenseite sehe ich ebenfalls nicht wirklich kritisch. Schon vor zig Jahren, als (wie ein Forist im anderen Thread meinte) im Gegensatz zu heute noch genügend Spielraum für eine Arbeitszeitabsenkung gewesen wäre, jammerten die Chefs der Verkehrsunternehmen unisono, es wäre kein Geld für auskömmliche Lohnerhöhungen da. Dann gab es mehr Kohle, und Busse und Bahnen fahren immer noch. Zudem sind noch lange nicht alle Finanzierungsquellen für den ÖPNV erschlossen. Stichwort kommunale Parkraumbewirtschaftung (da gibt es gerade in Leipzig noch ganz viel Spielraum), Stichwort bundespolitisch Dienstwagenprivileg. Für eine Neuwagenkaufprämie sind auch Millionen Euro verfügbar, warum nicht stattdessen für die Förderung des ÖPNV??

Was Arbeitsverteilung und Leistungsdruck angeht, ein Fahrer kann nur eine Bahn fahren, ein Elektriker kann nur eine Bahn reparieren, nicht 1,2 oder 1,3 Bahnen, sondern immer nur eine. Man muss also Personal einstellen, deswegen wird der Kompromiss "schrittweise" lauten, um Zeit zu haben Personal nachzusteuern. Heißt, man senkt die Arbeitszeit schrittweise ab, beginnend bspw. in 2027 eine Stunde runter auf 37 Wochenstunden und weiter die darauf folgenden Jahre jeweils eine weitere halbe oder ganze Stunde.

Zudem enthält die Forderung von ver.di eine Wahloption, nach der man freiwillig bei 38 Wochenstunden bleiben kann und dafür einen Gehaltszuschlag bekommt, entweder ausgezahlt oder in ein Wertkonto überführt, Einzahlung in die betriebliche Altersvorsorge wäre aus meiner Sicht noch eine weitere Option. Da aus der Erfahrung heraus ein nicht unerheblicher Teil der Belegschaft eine dieser Wahloptionen annehmen wird, ist der Mehrbedarf an Fahrern am Ende auch weitaus nicht so hoch, wie von der AG-Seite behauptet. Und wenn man das Ganze auf Schichtarbeiter wegen derer zusätzlichen Belastungen begrenzt, dann kommt es in der Verwaltung auch nicht zu einer Arbeitsverdichtung. Da meint jemand, das geht nicht?? In etwa genauso war der Tarifabschluss der GDL mit vielen Eisenbahnunternehmen vor zwei Jahren. Gleichlautend für alle von der GDL tarifierten Unternehmen, sowie hier (da Manteltarifvertrag) gleichlautend für alle Nahverkehrsunternehmen in Sachsen.

Zitat von: Eisenbahnfan am Dienstag, 03. Februar 2026, 11:29:41Lt. LVZ-Artikel sollen lt. LVB Angaben ca. 50 % des Fahrpersonals gestreikt haben.
Das glauben die von den LVB doch selber nicht. Den Notfahrplan konnten die nur auf 6 von mehr als 20 Linien (alleine im Stadtverkehr) im 20-Minutentakt (nichtmal der zuverlässig und durchgehend) aufrechterhalten. Grob 30% der Linien nur zur Hälfte gefahren (wenn überhaupt), das sind grob betrachtet 15% der fahrplanmäßigen Fahrten, die durchgeführt wurden, und das sicher auch mit Leuten aus Verwaltung und Werkstatt auf dem Bock. Da komme ich auf mindestens 75% Streikbeteiligung. Und ja, das ist schon eine Hausnummer.
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Laany Toke

Zitat von: MD 612 am Dienstag, 03. Februar 2026, 17:23:34Das glauben die von den LVB doch selber nicht. Den Notfahrplan konnten die nur auf 6 von mehr als 20 Linien (alleine im Stadtverkehr) im 20-Minutentakt (nichtmal der zuverlässig und durchgehend) aufrechterhalten. Grob 30% der Linien nur zur Hälfte gefahren (wenn überhaupt), das sind grob betrachtet 15% der fahrplanmäßigen Fahrten, die durchgeführt wurden, und das sicher auch mit Leuten aus Verwaltung und Werkstatt auf dem Bock. Da komme ich auf mindestens 75% Streikbeteiligung. Und ja, das ist schon eine Hausnummer.
Doch, das kann schon hinkommen. Weil lange nicht alle Fahrer, die sich arbeitsbereit gemeldet haben, auch eingesetzt wurden. Es wurden schnell die Ersatzfahrpläne und Einsätze zusammengeschmiedet. Bedacht werden mussten ja auch Ablösungen. Als erstes wurde deswegen dann auch wieder die 3 eingestellt, weil es eben nicht planbar war.
Die größte Frechheit war dann noch das Blockieren der ausfahrenden Bahnen für jeweils 15 Minuten.

MD 612

#7
Zitat von: Laany Toke am Dienstag, 03. Februar 2026, 20:30:59Doch, das kann schon hinkommen.
Angebliche 50% Fahrer schaffen nur 15% der fahrplanmäßigen Fahrten. Das kleine bisschen, was über die 15% ging, war mit den 50% nicht durchzuhalten. Glaube mir, ich bin lange genug im Geschäft, veralbern können wir uns alleine...

Zitat von: Laany Toke am Dienstag, 03. Februar 2026, 20:30:59Es wurden schnell die Ersatzfahrpläne und Einsätze zusammengeschmiedet.
Warum "schnell"?? Es waren doch drei Tage Zeit Ersatzfahrpläne zu erstellen und Ersatzschichten zu planen. Und die Streikbeteiligung hätte man aus vorherigen Streiks abschätzen können, die waren ja noch nicht gar so lange her.

Zitat von: Laany Toke am Dienstag, 03. Februar 2026, 20:30:59Als erstes wurde deswegen dann auch wieder die 3 eingestellt, weil es eben nicht planbar war.
Ich will ja nicht unken. Aber von der Bahn lernen, heißt siegen lernen...
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

SvenLE

Zitat von: Draconia111 am Dienstag, 03. Februar 2026, 05:06:50Ich schrieb dass das Angebot der Arbeitgeberverbände unter aller Sau ist. Es kamen nämlich nur Verschlechterungen (Streichung von einem Urlaubstag, Streichung von Zuschlägen und der Killer war 2 Stunden mehr Ackern für weniger Geld).

Wenn das tatsächlich das "Angebot" der Arbeitgeber war, dann stimme ich dem zu. Gerade Urlaubstage und Zuschläge zu streichen ist eine bodenlose Frechheit. Wie soll man mit sowas noch Menschen für den Beruf begeistern?


Zitat von: Draconia111 am Dienstag, 03. Februar 2026, 05:06:50Ich sehe die 35 Stunden Woche sehr kritisch. Und zwar einfach aus dem Grund weil man zwar weniger Arbeitszeit hat, aber die Arbeit nicht weniger wird. Im Endeffekt wird also mehr Arbeit und Leistungsdruck an den einzelnen Beschäftigten hängen bleiben.

Bei den Fahrern sehe ich das noch ein, das jede Stunde weniger auf dem Bock ein Gewinn ist. In der Verwaltung wird einfach nur die Kaffeepause kürzer. Ehrlich, das fällt dort nicht auf.


Zitat von: Laany Toke am Dienstag, 03. Februar 2026, 20:30:59Doch, das kann schon hinkommen. Weil lange nicht alle Fahrer, die sich arbeitsbereit gemeldet haben, auch eingesetzt wurden. Es wurden schnell die Ersatzfahrpläne und Einsätze zusammengeschmiedet. Bedacht werden mussten ja auch Ablösungen. Als erstes wurde deswegen dann auch wieder die 3 eingestellt, weil es eben nicht planbar war.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Ja, man sollte nicht jeden Fahrer gleich auf den Bock setzen und losfahren lassen. Dazu kommt ja eine sehr zugespitzte Verkehrslage, weil überall Stau war. Man hat sich auf die wesentlichen Linien konzentriert -  /7  /11  /15  /16 und beim Bus  /60  /90

Damit war ein Teil der Stadt ja schon mal erreichbar. Ob dann nachts wieder die Nightliner fuhren, weiß ich leider nicht.


Zitat von: Laany Toke am Dienstag, 03. Februar 2026, 20:30:59Die größte Frechheit war dann noch das Blockieren der ausfahrenden Bahnen für jeweils 15 Minuten.

Das ist absolut zulässig!

Grüße
Sven

Eisenbahnfan

Zitat von: SvenLE am Dienstag, 03. Februar 2026, 21:45:45Das ist absolut zulässig!
Richtig, ebenso zulässig ist es aber auch, daran Kritik zu üben.

Zitat von: MD 612 am Dienstag, 03. Februar 2026, 17:23:34In meinen Augen unabhängig von dem Arbeitszeitthema ein Unding, dass man in der Freizeit erst ewig lang durch die Stadt gondeln muss, bis man sein Auto wieder findet und damit nach Hause fahren kann. Da hat ver.di meines Erachtens auch noch 'ne Baustelle.
Hm... viele Stellen in Leipzig sind auch  mit dem ÖPNV gut angebunden.  Wer jetzt nicht weit außerhalb wohnt,  kann (und wird wahrscheinlich auch zum Teil) mit dem Linienverkehr den Weg antreten.   Kommt natürlich immer auf die konkreten Wege an.


Zitat von: MD 612 am Dienstag, 03. Februar 2026, 21:37:13Und die Streikbeteiligung hätte man aus vorherigen Streiks abschätzen können, die waren ja noch nicht gar so lange her.
Und dann treten einige während der letzten 2 Jahre in die ver.di ein, und der ganze Plan ist hinfällig. Niemand muss seine Arbeitsabsicht oder Streikabsicht ankündigen. Insofern ist das was die Bahn macht, ein guter Plan, sicher gehen kann man beim "Ersatzfahrplan" aber erst, wenn der Mitarbeiter wirklich zur Arbeit erscheint.

1146

Bei uns in Stuttgart ist gar kein Notverkehr möglich, weil nur eine Person in der Leitstelle nicht möglich ist. Man braucht mindestens 3 pro Schicht.
MfG Roman aus Stuttgart

MD 612

Zitat von: Eisenbahnfan am Mittwoch, 04. Februar 2026, 13:04:49Wer jetzt nicht weit außerhalb wohnt,  kann (und wird wahrscheinlich auch zum Teil) mit dem Linienverkehr den Weg antreten.
Sicher wohnen da einige Fahrer ein Stück auswärts, da reichen ja schon zur Stadt gehörende Vororte wie Lindenthal, Holzhausen, Liebertwolkwitz oder auch Markkleeberg. Komm mal von dort früh um vier nach Heiterblick. Das wird schon bei Stadtteilen wie Möckern, Stötteritz oder Großzschocher nichts. Aber die, die in der Stadt wohnen, würden vielleicht auch gerne mit dem Fahrrad kommen. Geht nicht, weil Fahrer wohnt in Stötteritz, Feierabend am Ausgustusplatz, Fahrrad steht in Heiterblick. Wie kommt der zu seinem Fahrrad oder am nächsten Morgen zum Dienstbeginn in Paunsdorf??

Nächstes Problem: Eigentlich sollte jedem Mitarbeiter die Möglichkeit gegeben werden, seine Privatsachen während der Arbeit in einem abschließbaren Schrank oder Fach zu deponieren. Geht auch nicht, weil die Sachen zum Dienstsschluss woanders liegen als da, wo er Feierabend hat. Also muss er den Koffer den ganzen Tag mit sich rumschleppen, kann ihn aber nicht in der engen Fahrerkabine deponieren, wenn er gerne unmittelbar im Anschluss an die Frühschicht ein paar Tage in den Urlaub oder einfach nur  an den Cospudener Strand fahren würde. Geht nicht, weil Dienstkleidung an, kein Koffer dabei, keine Möglichkeit sich nach Dienstschluss umzuziehen und Auto oder Fahrrad am falschen Fleck. Zudem der Zwang, den Weg von und zum Dienst in Dienstkleidung zurücklegen zu müssen. Man stelle sich vor, Feierabend am Ausgustusplatz und dann 'ne Runde über den mittäglichen Weihnachts- oder Ostermarkt, Glühwein und/oder ein Feierabendbier inklusive, in Dienstkleidung?? Was gibt das für ein Bild?? Normal ist das nicht...

Zitat von: Eisenbahnfan am Mittwoch, 04. Februar 2026, 13:04:49Und dann treten einige während der letzten 2 Jahre in die ver.di ein, und der ganze Plan ist hinfällig.
Das Risiko besteht natürlich, dann fällt noch ein Kurs ungeplant aus. Aber dann sind es einer oder zwei, und nicht fuffzig und mehr. Man kann natürlich auch mit Puffer planen, um unbekannte Steigerungen der Mitgliedschaft abzufedern. Aber nur 15% fahren (und die nichtmal zuverlässig) und dann von nur 50% Streikbeteiligung schwafeln passt nicht.
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Netzer

Bei allem Respekt vor der Fahrerschafft und dem anspruchsvollen Beruf äußere ich mich mal als Kritiker des ver.di-Streiks und würde mir mehr Mäßigung wünschen!

Der aktuelle Streik trifft die Stadt in einem Moment, in dem das Vertrauen der Bürger nach Corona und nach dem wegen Fahrermangel eingeschränkten Fahrplan gerade erst wieder mühsam aufgebaut wurde und genau deshalb richtet er so großen Schaden an. Nach den nunmehr veränderten Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat, die nicht unbedingt Pro-ÖPNV sind, war es ohnehin schwierig, Stabilität, Verlässlichkeit und Handlungsfähigkeit zu vermitteln und jeder Fortschritt in diese Richtung war hart erkämpft. Durch genau solche Streiks bricht dieses fragile Vertrauen erneut ein, obwohl die Stadt weder die Tarifverhandlungen führt noch die Ursachen des Konflikts gesetzt hat, aber dennoch die volle öffentliche Verantwortung trägt.

Besonders problematisch ist, dass der Ausstand vor allem diejenigen trifft, die ohnehin keine Alternativen haben, etwa Schüler, Pendler, Pflegekräfte oder Menschen mit geringem Einkommen und ältere Menschen, die im Winter bei Kälte und Eis zum Arzt müssen, was die öffentliche Stimmung zusätzlich verschlechtert und das Bild einer unzuverlässigen Daseinsvorsorge verstärkt.

Gleichzeitig verschärft der Streik die ohnehin angespannte finanzielle Lage der LVB, denn im Raum steht die politische Forderung, zusätzlich 10  Millionen Euro einzusparen, was den Handlungsspielraum wieder massiv einschränkt und die Zukunftsfähigkeit des ÖPNV gefährdet.

Wenn dann noch das Beispiel Dresden (oder andere Städte) hinzukommt, wo bereits konkrete Maßnahmen zum Rückbau des ÖPNV-Angebots diskutiert oder umgesetzt werden, wächst die Sorge, dass Leipzig denselben Weg gehen könnte und genau diese Angst wird durch den Streik weiter befeuert.

Das Ergebnis ist vorerst ein massiver Vertrauensverlust, der v.a. die Stadtentwicklung schwächt, die Mobilitätswende untergräbt und die politische Lage unnötig destabilisiert, obwohl eigentlich alles darauf ausgerichtet war, den ÖPNV zu stärken und die Bürger von seiner Verlässlichkeit zu überzeugen.

MD 612

Zitat von: Netzer am Donnerstag, 05. Februar 2026, 08:49:50... und würde mir mehr Mäßigung wünschen!
Ein Tag Warnstreik ist doch recht mäßig.

Zitat von: Netzer am Donnerstag, 05. Februar 2026, 08:49:50Der aktuelle Streik trifft die Stadt in einem Moment, in dem das Vertrauen der Bürger nach Corona und nach dem wegen Fahrermangel eingeschränkten Fahrplan gerade erst wieder mühsam aufgebaut wurde
Ach Gottchen, was nun schon wieder alles so herhalten muss. Ich hätte noch erwähnt, dass wir gerade noch dabei waren, die Mangelwirtschaft des Sozialismus zu überwinden...

Aber im Ernst, Du meinst, die LVB-Führungsebene verspielt erst mit einer selbst verschuldeten Personalfehlplanung (Corona war da nur eine prima Ausrede, die sich gerade ergab) das Vertrauen der Fahrgäste und die Fahrer dürfen deswegen nicht streiken und sollen sich die nächsten Jahre in Verzicht üben?? So schräg habe ich ja noch keine "Argumentation" erlebt...

Das Vertrauen in die LVB ging verloren, als man mit faulen Ausreden versuchte, monatelange Fahrplanausdünnungen zu begründen und dabei noch nichtmal den ausgedünnten Fahrplan stabil fahren konnte. Vertrauen geht hingegen nicht verloren, wenn mal einen Tag aus guten Gründen nichts fährt und am nächsten Tag wieder das volle Angebot gefahren wird.

Zitat von: Netzer am Donnerstag, 05. Februar 2026, 08:49:50obwohl die Stadt weder die Tarifverhandlungen führt noch die Ursachen des Konflikts gesetzt hat
Sowohl Stadt als auch LVB können Einfluss auf die Verhandlungen nehmen. Der kommunale AG-Verband verhandelt schließlich in deren Auftrag und deren Namen.

Zitat von: Netzer am Donnerstag, 05. Februar 2026, 08:49:50Besonders problematisch ist, dass der Ausstand vor allem diejenigen trifft, die ohnehin keine Alternativen haben, etwa Schüler, Pendler, Pflegekräfte oder Menschen mit geringem Einkommen und ältere Menschen, die im Winter bei Kälte und Eis zum Arzt müssen
Ich verschenke noch eine dicke Träne, falls die eigenen nicht reichen. Von "ohnehin keine Alternativen" kann sowieso keine Rede sein, denn es ist anzunehmen, dass fast alle betroffenen Menschen Alternativen gefunden haben. Aber gerne können die alle bei Stadt und LVB nachfragen, warum die nicht ernsthaft verhandeln, um Fahrtausfälle durch Streiks zu vermeiden. Und im Übrigen haben Fahrgastumfragen gezeigt, dass die wirklichen Fahrgäste offenbar viel eher Verständnis für die streikenden Fahrer zeigen als manch sogenannter Straßenbahnfan in einem Internetforum.

Zitat von: Netzer am Donnerstag, 05. Februar 2026, 08:49:50Gleichzeitig verschärft der Streik die ohnehin angespannte finanzielle Lage der LVB, denn im Raum steht die politische Forderung, zusätzlich 10  Millionen Euro einzusparen, was den Handlungsspielraum wieder massiv einschränkt und die Zukunftsfähigkeit des ÖPNV gefährdet.
Die Zukunftsfähigkeit des ÖPNV wird auch dann gefährdet, wenn man die Arbeitsbedingungen ebendort nicht derart unattraktiv belässt, dass man keine Fahrer findet. Dann aber ist der Handlungsspielraum noch mehr eingegrenzt. Finanzquellen gibt es immer noch genügend, das hatte ich weiter vorn schon geschrieben. Und mit Ängsten zu spielen ist eine ganz traurige Nummer.
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

SvenLE

Zitat von: MD 612 am Donnerstag, 05. Februar 2026, 21:42:12Aber im Ernst, Du meinst, die LVB-Führungsebene verspielt erst mit einer selbst verschuldeten Personalfehlplanung (Corona war da nur eine prima Ausrede, die sich gerade ergab) ...

Das Vertrauen in die LVB ging verloren, als man mit faulen Ausreden versuchte, monatelange Fahrplanausdünnungen zu begründen und dabei noch nichtmal den ausgedünnten Fahrplan stabil fahren konnte.

Ist das dein Standardspruch aus vergangenen Zeiten? Du als GDL-Mitglied solltest doch da mehr Einblick haben. Mittlerweile sind Fahrausfälle bei der LVB eher fahrzeugbezogen als durch Fahrermangel.

Komplett anders als bei DB Regio Südost. Da ist es doch schlimm und man kann froh sein, dass die Länderbahn ein Teil des Angebotes übernehmen wird.


Zitat von: MD 612 am Donnerstag, 05. Februar 2026, 21:42:12Sowohl Stadt als auch LVB können Einfluss auf die Verhandlungen nehmen. Der kommunale AG-Verband verhandelt schließlich in deren Auftrag und deren Namen.

Aktuell sitzt weder die Stadt noch die LVB am Verhandlungstisch. Es wird zentral über die TDL verhandelt:

Quelle

Wie soll als Herr Middelberg oder Herr Jung da etwas machen, wenn man nicht das Mandat hat?

Grüße
Sven