Hess BGH-N2C

 

Fahrzeugliste 

Nr. ex. Nr. Baujahr Erstzulassung Bemerkung Werbung Fotos
14031 201 2011 19.05.2011   Sax Hybrid
14032 202 2011 19.05.2011   Sax Hybrid
14033 203 2011 31.05.2011   Sax Hybrid
14034 204 2011 19.05.2011   Sax Hybrid
14035 205 2011 31.05.2011   Sax Hybrid
14036 206 2011 19.07.2011   Sax Hybrid
14037 207 2011 19.07.2011   Sax Hybrid
14038 208 2011 02.08.2011   Sax Hybrid
14039 209 2011 16.08.2011   Sax Hybrid
14040 210 2011 02.08.2011   Sax Hybrid

 

 BGH-N2C

Die Beschaffung neuer Gelenkbusse zum Ersatz der O 405 GN wurde lange hinausgeschoben, da sich die LVB es zum Ziel gesetzt hatten, Gelenkbusse mit einer alternativen innovativen technischen Ausrüstung zu beschaffen. Nachdem die Versuche, diese Anschaffungsbestrebungen zur Wiedereinführung eines Obus trotz positivem Bescheids der entsprechenden Studie fehlschlugen, wollte man sich an einem Projekt des Freistaates Sachsen („SaxHybrid der Modellregion Sachsen“) beteiligen, nach dem Hybridbusse mit seriellem Hybridantrieb im Linieneinsatz getestet werden sollten. Also entschieden sich Leipzig und Dresden, je zehn Hybridgelenkbusse zu beschaffen und diese im Stadtverkehr zu testen. Aus den je zehn Fahrzeugen wurden letztendlich aufgrund der Freigabe weiterer Fördermittel pro Stadt je 13 Fahrzeuge. Während sich Dresden entschloss, zehn Fahrzeuge von Mercedes und drei Fahrzeuge von Hess zu kaufen, entschied man sich in Leipzig zum Kauf von zehn Fahrzeugen des Herstellers Hess und drei Fahrzeugen des Herstellers Mercedes-Benz.

Schließlich gelangten im Frühjahr 2011 die ersten Hess-Hybridfahrzeuge nach Leipzig. Nach der Schulung der Fahrer konnte am 27. Mai 2011 – auf den Tag genau zehn Jahre nach Einführung des neuen Leipziger Straßenbahnnetzes – mit Wagen 204 erstmalig ein Hess-Hybridbus im Linienverkehr eingesetzt werden. In den darauffolgenden Wochen folgten weitere Fahrzeuge. Zum Anfang waren die Hess-Hybridbusse in einem weißen Grundlack versehen. Später erhielten die Fahrzeuge schrittweise ihre Hybridbus-Werbung.

Bei den Hess-Hybridbussen handelt es sich um 18 Meter lange viertürige Gelenkbusse mit einem seriellen Hybridantrieb. Die Fertigung der Fahrzeuge erfolgte dabei in der Schweiz. Theoretisch sollte sich während der Fahrt der Dieselmotor abwechselnd aus- und einnschalten, während der Elektromotor konstant läuft. In der Realität hat sich allerdings erwiesen, dass sich der Dieselmotor selten ausschaltet. Dies führte letztendlich dazu, dass der Kauf der Hess-Hybridbusse als nicht gerade glücklich angesehen wird. Dies hat mehrere Gründe: Zunächst lag der Kaufpreis der Fahrzeuge über den Kaufpreis von herkömmlichen Dieselbussen. Weiterhin ist die Wartung der Fahrzeuge umständlicher als bei Dieselbussen, da neben dem Dieselmotor nun auch ein Elektromotor gewartet werden muss. Nicht zuletzt bewirkt dieser Motor sogar einen höheren Spritverbrauch als bei herkömmlichen Bussen – die erhoffte Spriteinsparung ist somit nicht eingetreten. Die komplizierte Technik bedingt außerdem einen ansatzweise guten Straßenzustand, der in Leipzig nicht an allen Stellen der Fahrwege der für den Einsatz der Hybridfahrzeuge vorgesehenen Linien 72 und 73 gegeben war. Somit mussten mehrere Straßen, auf denen diese Linien verkehren, erst einmal für den Einsatz der Hybridbusse nachgebessert werden, was auch wieder Geld aus der Kasse der Stadt Leipzig gefordert hat. Interessant ist auch, dass die Hess-Hybridbusse nur über 32 Sitzplätze verfügen. Damit weisen sie weniger Sitzplätze als die sechs Meter kürzeren MAN-Hybridbusse und Solaris Urbio 12 auf! Zu den 32 Sitzplätzen gibt es noch sechs Klappsitze, außerdem stehen 83 Stehplätze zur Verfügung.

Ein großer Nachteil bei diesen Fahrzeugen ist, dass das Tankvolumen nicht ausreichend genug bemessen ist und dass somit bei kalten Tagen bei funktionierender Heizung eine Tankfüllung nicht für den gesamten Tag im Linieneinsatz ausreicht. Das heißt, dass die Fahrzeuge aufgrund ihres zu geringen Tankvolumens zum Nachtanken ausgetauscht werden müssen, was zusätzlichen Aufwand im Betriebsablauf erfordert und womit somit in der Wintersaison mehr Gelenkbusse als ohnehin notwendig benötigt werden.

Interessant ist, dass die Hess-Hybridbusse so konstruiert sind, dass jederzeit Obustrolleystangen auf dem Dach installiert werden und somit die Fahrzeuge zu Obussen umgebaut werden könnten.

In den Jahren 2011 und 2012 wurden die Hess-Hybridbusse in der warmen Jahreszeit auf den Linien 72 und 73 sowie in der kalten Jahreszeit auf Linie 60 eingesetzt. Der Einsatz auf Linie 60 hängt damit zusammen, dass Linie 60 auf ihrem Linienverlauf den Bushof Lindenau berührt und somit aufgrund des begrenzten Tankvolumens der Fahrzeuge ein relativ unkomplizierter Fahrzeugtausch während des Tages inmitten des Betriebsgeschehens stattfinden kann. Im Frühjahr 2013 wurden die Hess-Hybridbusse aber auf Linie 60 belassen, die somit zur Stammlinie dieser Fahrzeuge geworden ist. Seit dem Umbau des Bushof Lindenau Ende 2014 werden die Hess Hybridbusse in der Nacht in der Abstellhalle untergestellt. Um die anfällige Technik auf dem Dach vor Wind und Regen zu schützen.

Text: Sebastian Naumann