Wo einst Gleise lagen... Der Sellerhäuser Viadukt

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MD 612

Im Zuge der netzergänzenden Maßnahmen beim Bau des Citytunnels Leipzig wurde die einstige Verbindungsbahn von Leipzig Hbf nach L.-Connewitz im November 2012 stillgelegt, auf der zuletzt der RE8 nach Zwickau, der RE16 nach Plauen - Adorf und -Hof, die RB130 nach Altenburg sowie die MRB2 nach Borna und die MRB70 nach Borna - Geithain fuhren. Noch vor der Stilllegung kam u.a. in der Bürgerschaft vor Ort die Idee auf, die nicht mehr genutzte Strecke inklusive des imposanten Viaduktes im Stadtteil Sellerhausen in einen Grünzug mit integriertem Fuß- und Radweg zu verwandeln. Letztendlich entstand daraus das Projekt Parkbogen Ost, bei dem der geplante Rad- und Fußweg von Sellerhausen mit der schon realisierten Bahnschneise Anger-Crottendorf (einem Radweg auf der früheren Anbindung des Eilenburger Bahnhofes) sowie dem auf dem Gelände des einstigen Eilenburger Bahnhofes entstandenen Lene-Vogt-Park verbunden werden soll. Nördlich soll der Parkbogen auf der Bahntrasse bis zur Brücke Kohlweg und von dort auf noch nicht festgelegtem Weg Richtung Hauptbahnhof erweitert werden.

Am 2. Oktober 2026 wurde nach langer Realisierungszeit (Baubeginn war Ende 2018) der erste Abschnitt des neu entstehenden Parkbogens Ost auf dem Sellerhäuser Viadukt offiziell von der Politprominenz um OBM Jung eröffnet. Das Viadukt wurde in den letzten Jahren saniert und dabei insbesondere die defekte Entwässerung wieder instandgesetzt, um künftig Nässeschäden am Bauwerk zu vermeiden. Das teils sonnige Spätherbstwetter am letzten Sonntag lud uns dazu ein, der neuen Attraktion im Stadtteil einen Besuch abzustatten. Wir nutzten den Zugang über eine Treppe an der Straßenbahnhaltestelle Annenstraße, wo einst auch der Zugang zum Haltepunkt Sellerhausen war. Weitere Zugänge gibt es mittels Treppe am Verbindungsweg Richtung alter Dorfanger Sellerhausen (Straße "Am Kleingartenpark") sowie am Gartenweg neben dem Vereinsheim des Kleingartenvereins "Immergrün" (Liselotte-Herrmann-Straße), hier mit Treppe und rollitauglicher Rampe. Ein weiterer Zugang von der Eisenbahnstraße per Rampe soll noch im November 2026 fertig werden.

Bild 1: Ein erster Überblick auf dem Viadukt. Ein breiter Weg schlängelt sich zwischen den Pflanztrögen mit Bäumen, Sträuchern und diversen Bodenpflanzen hindurch:


Bild 2: Fußwege sind auf beiden Seiten der Pflanztröge vorhanden, wobei der breitere "Hauptweg" mehrfach die Seite wechselt:


Bild 3:


Bild 4:


Bild 5: Sitzgelegenheiten laden mehrfach in unterschiedlicher Ausführung zum Verweilen ein:


Bild 6: Es blüht selbst im Herbst überall:


Bild 7:


Bild 8:


Bild 9: Hier war einst der Haltepunkt Sellerhausen. Die Brücke über die Eisenbahnstraße ist noch in Bau (da gab's wohl Hudeleien mit der Baufirma), der Abschnitt samt Rampe zur Eisenbahnstraße soll aber noch im November 2026 fertig werden:


Bild 10: Blick auf die Wurzner Straße mit der Emmauskirche:


Bild 11: Panoramablick Richtung Stadtzentrum mit Turm des Neuen Rathauses, Uni-Riesen (zeitweise MDR-Hochhaus, heute "Panorama-Tower"), Schulkomplex Ihmelstraße, Wintergartenhochhaus und Turm der Kirche St. Lukas in Volkmarsdorf. Im Vordergrund der Sportplatz des SV Leipzig Ost 1858, der sich direkt neben dem Viadukt befindet:


Bild 12: Am südlichen Ende des Viaduktes der Übergang zum anschließenden Bahndamm Richtung Anger-Crottendorf. Ein paar Schwellen erinnern an die einstigen Gleise. Möglicherweise soll daraus noch was schöneres werden:


Bild 13: Hier endet der erste Bauabschnitt. Der Damm bis zur Brücke am Polygraphplatz kurz vor dem einstigen Haltepunkt Anger-Crottendorf soll als zweiter Bauabschnitt im nächsten Jahr zu einem Gartenpark umgestaltet werden:


Bild 14: Vermutlich ein Besucher hat das Wachpersonal in einem der Beete hinterlassen:


Bild 15: Das Baujahr des Viaduktes, abzulesen am Viaduktbogen über der Wurzner Straße. Bei dem Alter hat das Bauwerk den jetzigen Schonplatz verdient:


Bild 16: Am Bauzaun das Werbebanner des Hauptauftragnehmers der Viaduktsanierung. Irgendwie steht der Spruch als Synonym vieler Bahnprojekte in Deutschland, die auf ihre Verwirklichung warten:


Im Oktober 2018 gab es für uns die einmalige Gelegenheit, an einer offiziellen Führung über den brachliegenden Abschnitt zwischen Anger-Crottendorf und Sellerhausen teilzunehmen und mit den damals zuständigen Leuten des Verkehrs- und Tiefbauamtes ins Gespräch zu kommen. Hier noch drei Aufnahmen des damaligen Zustandes des jetzt fertiggestellten Abschnittes:

Bild 17: Das Viadukt von seinem südlichen Ende aus gesehen:


Bild 18: Vom gleichen Standpunkt ein Blick nach Süden auf den anschließenden Bahndamm:


Bild 19: Die Reste des einstigen Haltepunktes Sellerhausen:


Bis denne, vielleicht mal bei einer Visite auf dem Viadukt.
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

2101


Lößniger

Kann man nur hoffen das es so schön bleibt und nicht wieder sinnlos mit Grafitti verschandelt wird...